dock. Die neue Praxis für Nichtversicherte in Wien

16.12.2021

dock kommt von „andocken“ und ist ein soziales Projekt von neunerhaus und Vinzenz Gruppe. Es bietet Menschen, die keinen Zugang zum Gesundheitssystem haben, fachärztliche Behandlung, Pflege und Therapie sowie soziale Betreuung. Seit 2. November ist die Einrichtung beim Wiener Hauptbahnhof in Betrieb.

Geschätzte 100.000 Menschen sind in Österreich nicht krankenversichert. Werden sie krank, sind sie von Schmerzen geplagt oder schwanger, benötigen sie dennoch ärztliche Hilfe. Dafür gibt es einige soziale Einrichtungen, die den Betroffenen Zugang zu medizinischer Versorgung anbieten. Das Angebot ist aber klein und die Nachfrage sehr groß, besonders in Wien, wo die Bevölkerung seit einigen Jahren stark wächst. Genau in diese Lücke stößt seit Anfang November dieses Jahres ein neues Angebot: dock – die Sozial-und Gesundheitspraxis von neunerhaus und Vinzenz Gruppe. Ermöglicht hat diese neue Sozial- und Gesundheitspraxis eine Anschubfinanzierung der Ordensgemeinschaft der Barmherzigen Schwestern Wien.

Expertenteam aus vielen Fachgebieten
„Der Bedarf an niederschwelligen Gesundheitsangeboten für nichtversicherte sowie obdach- und wohnungslose Menschen ist in den vergangenen Jahren spürbar gestiegen. Gerade durch die COVID-Krise sind noch mehr Menschen aus dem System gefallen“, erzählt Mag.a Katrin Gebhart, Projektleiterin von dock in der Vinzenz Gruppe.

Nicht nur sie engagiert sich mit voller Kraft an der Umsetzung dieses Projekts. „Es war unglaublich, wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich aus unseren Krankenhäusern bereit erklärt haben, regelmäßig ehrenamtlich in dock tätig zu sein“, freut sich Gebhart. 25 Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte und Therapeut*innen aus allen Wiener Krankenhäusern der Vinzenz Gruppe sowie einige „Private“ haben sich bereit erklärt, bei dock in ihrer Freizeit mitzuarbeiten.

Auf diese Weise stehen Patientinnen und Patienten, die sonst kaum Zugang zum Gesundheitssystem haben, seit 2. November dienstags und donnerstags jeweils am Nachmittag Fachärztinnen* und –ärzte* mit ihrem Knowhow für Abklärung und Behandlung zur Verfügung. Das medizinische Angebot umfasst Gynäkologie und Geburtshilfe, Innere Medizin mit den Bereichen Gastroenterologie und Hepatologie, Diabetologie und Pulmologie, Orthopädie und Schmerzmedizin, Urologie, Augenheilkunde, Chirurgie sowie Physio-und Ergotherapie, aber auch diplomierte Krankenpflege und Betreuung durch eine Hebamme. „Die Fachrichtungen wechseln wöchentlich“, erklärt Projektleiterin Gebhart. „Zusätzlich sind vom neunerhaus Sozialarbeiter*innen und Ordinationsassistentinnen vor Ort.“ Diese unterstützen auch bei der Terminvergabe und Anmeldung sowie bei der Koordination mit den zuweisenden Stellen.

Niederschwellig und möglichst unkompliziert lautet die Devise. Ulrike Haller, Fachärztin für Orthopädie im Orthopädischen Spital Speising und Teamkoordinatorin Medizin, bringt es auf den Punkt: „Wir versuchen den Patientinnen und Patienten einfach und schnell Hilfe zu bieten und das – wenn möglich – ohne viele weitere Termine.“

Spenden gesucht, Ausbau geplant
Zusätzlich zum Engagement der Ehrenamtlichen haben auch viele Sachspenden und kostenlose Dienstleistungen das Projekt erst möglich gemacht. Dazu gehören beispielsweise gebrauchte Möbel und Ausstattungen vom Orthopädischen Spital Speising, dem St. Josef Krankenhaus und dem Barmherzige Schwestern Krankenhaus Wien, Gerätespenden von Ärzten, Gratis-Ausstattung mit Desinfektionsmitteln, kostenloser Transport und Montage der Möbel durch SANTESIS oder ein günstiges Angebot für die laufende Reinigung.

„Durch die Anschubfinanzierung, die vielen Sachspenden und die Zusage der Ehrenamtlichen konnten wir am 2. November mit der Sozial- und Gesundheitspraxis dock starten“, berichtet Gebhart. „Aber natürlich brauchen wir weitere Spenden und Sponsoren, um dock über das erste Jahr hinaus finanzieren und sogar ausbauen zu können.“ Geld wird für die Miete, Medikamente und das Gehalt der Ordinationshelferinnen benötigt. Auch über weitere Ehrenamtliche würde sich das dock-Team sehr freuen – dann könnte das Angebot ab nächstem Jahr noch erweitert werden. Ganz im Sinne jener Menschen, die diese Hilfe so dringend brauchen.

Spendenkonto: Orthopädisches Spital Speising, IBAN: AT25 3400000102608552, Referenz „dock“ BIC: RZOOAT2L

 

Zurück zur Übersicht